Sauber mit saurem Radler


Sauber mit Saurem Radler

"VN"-Alko-Test: Zwei Bier sind schon genug für 0,5 Promille - Zaubertrick Flüssigkeit.

GEROLD RIEDMANN UND TONI MEZNAR

gerold.riedmann@vn.vol.at, Õ72/501-320

Bludenz (VN) Wir sitzen im "Riedmiller", jeder der Probanden hat sein eigenes Mundstück für das Alko-Vortestgerät - ein geeichter Originalapparat der Polizei. Seit Dezember kommt das Gerät auf Vorarlbergs Straßen zum Einsatz, um Lenker noch schneller "checken" zu

können. "Die Ergebnisse sind absolut ident mit denen des Alkomats", erklärt uns Mario Leiter, Vize-Chef der Bludenzer Stadtpolizei.

Gefahr Restalkohol

Alle am Tisch sind nüchtern, haben auch nichts gegessen. Bloß Marlies bringt es um 19 Uhr schon auf 0,22 Promille - noch ohne einen Schluck getrunken zu haben. "Wir haben gestern bis spät in die Nacht mit Caipirinhas den Geburtstag meines Sohnes gefeiert", sagt die 59-jährige Bludenzerin. Generell bauen Frauen Alkohol wesentlich schlechter ab als Männer. Der Grund liegt im Flüssigkeitsanteil im Körper, der bei Frauen 55 Prozent, bei Männern aber 68 bis 70 Prozent beträgt.

Zunächst überrascht der sportliche Andreas (24) bei der ersten Messung. Der Maschinenmechaniker hat ein großes Bier getrunken, nach der obligatorischen Trinkpause von 15 Minuten bescheinigt ihm das Gerät 0,06 Promille. Dagegen bringt es 115-Kilo-Mann Joachim (31) nach nur einem großen Bier auf 0,32 Promille, nach dem zweiten hat er die kritische Marke erreicht. "Ich bin absolut überrascht, dass ich schon 0,5 Promille habe, das hätte ich niemals gedacht." Der Aha-Effekt ist bei jeder Messung groß, das weiß Suchtexperte Mario Leiter aus den über 2000 Tests, die er schon bei Schulungen für jedermann durchgeführt hat.

Spätestens nach dem zweiten Bier wird es kritisch. Denn jeder reagiert anders auf Alkohol. "Ein Feldversuch kann nie allgemeingültig sein, er stellt eine Momentaufnahme dar", schildert Leiter. Zu viele Faktoren spielen eine Rolle. "Wer am nächsten Abend genau dasselbe trinkt, wird garantiert einen anderen Wert blasen", so der Polizist.

Saurer Radler wirkt

Der einzige am Ende fahrtüchtige Kandidat trank über den Zeitraum von vier Stunden vier große Saure Radler. Nie zeigte das Vortestgerät mehr als 0,38 Promille an. Es liegt am Getränk: der Saure Radler bringt aufgrund der Verdünnung mit Wasser dem Körper viel Flüssigkeit, die Alkohol ansonsten entzieht. "Das Phänomen zeigt sich nicht nur beim Promille-Wert. Es geht einem auch am nächsten Morgen viel besser, es gibt kein Kopfweh", sagt Leiter. Mit Süßem Radler funktioniert das Ganze nicht: "Da ist Zucker drin, der den Alkohol schneller ins Blut treibt."

Um 23 Uhr machen wir uns auf den Nachhauseweg - zu Fuß oder im sicheren Taxi. Bei jedem wirkt der Alkohol anders. Drei Gläser Sekt bescherten Michaela fast 0,6 Promille, zwei große Bier brachten Joachim an die 0,5-Promille-Marke und Marlies reichten drei kleine Bier. "Ich sehe euch alle noch klar, aber fahren könnte ich definitiv nicht mehr", meint Probeführerscheinbesitzerin Natalie (19), während sie auf das letzte Messergebnis wartet. Wenigstens hier trügt die subjektive Einschätzung nicht. Das Alkoholvortestgerät zeigt 1,04 Milligramm pro Liter Atemluft - unmissverständliche 2,08 Promille.

Mehr Infos zu Seminaren mit Alko-Tests per E-Mail bei Mario Leiter unter info@promille.at oder bei der Initative Spaß mit Maß unter www.spassmitmass.at.

Die größten Alko-Lügen

1. Ich nehme noch einen Kaffee, dann bin ich fit und kann fahren!

Das Gegenteil ist der Fall: Koffein verlangsamt den Alkoholabbau sogar.

2. Ich warte eine Stunde mit Fahren, dann habe ich 0,1 Promille weniger!

Erst 60 Minuten nach dem letzten Schluck wird der höchste Blutalkoholwert erreicht. Auch das "Fluchtachtele" wirkt sicht negativ auf die Fahrtüchtigkeit aus.

3. Ich kann immer noch Autofahren, wenn ich drei Bier getrunken habe!

Tatsache ist: Es kann schon nach dem ersten kritisch werden. "Wir hatten schon einen 16-Jährigen, der nach einem Bier 0,5 Promille hatte", so Experte Mario Leiter.

4. Ich kann den Alkomaten druch eine spezielle Atemtechnik täuschen!

Durch das gesetzlich verbotene Hyperventilieren, ein schnelles Ein- und Ausatmen vor dem Test, kann der Wert nur minimal manipuliert werden - etwa von 2 auf 1,99 Promille.

Alkohol - das sollten Sie wissen

Strafen für Alkohol im Straßenverkehr

Õ 0,5 bis 0,79 Promille: Strafrahmen zwischen 218 und 3633 Euro. Führerscheinentzug wird angedroht, beim zweiten Delikt innerhalb von zwölf Monaten ist der Schein drei Wochen weg.

Õ 0,8 bis 1,19 Promille: Führerscheinentzug für einen Monat, Strafen zwischen 581 und 3633 Euro.

Õ 1,2 bis 1,59 Promille: Die Behörde kassiert den Schein für mindestens drei Monate, man muss außerdem zur Nachschulung. Der Strafrahmen bewegt sich zwischen 872 und 4360 Euro.

Õ Jenseits der 1,6 Promille bzw. bei Verweigerung des Alkotests gilt die Höchststrafe, neben einem Geldstrafenrahmen von 1162 bis 5813 Euro ist der Lappen für mindestens vier Monate weg. Kostspielige Nachschulungen und der "Idiotentest" stehen an.

Was beeinflusst den Promillewert?

Õ Primäre Faktoren: Alkoholmenge, Körpergewicht, Körperbau, zeitliche Verteilung und Geschlecht. Õ Sekundäre Faktoren: Trinkgewohnheit, Körper- und Außentemperatur, Übermüdung, Medikamente.

Auch nach einem Achtel Wein kann die Fahrtüchtigkeit nicht mehr gegeben sein.

MARIO LEITER STADTPOLIZEI BLUDENZ

Der große "VN"-Alkotest: Das Vortestgerät zeigt - wie der Alkomat - immer nur den Milligramm-Wert in der Atemluft an. Mit 2 multipliziert ergibt sich dann der Promillewert. (Fotos: VN/H. Zellhofer)

Datum: 18.2.06 | Quelle: Vorarlberger Nachrichten
Ressort: Lokal | Seite: 10


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